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CWS wird japanisch

Müsste man Hans-Helmuth Schmidt mit wenigen Worten treffend beschreiben, könnte man ihn einen verantwortungsvollen und erfolgreichen Familienunternehmer mit Sinn für Tradition nennen. Der 64-Jährige führt seit gut 35 Jahren in fünfter Generation die 1864 gegründete CWS-Unternehmensgruppe mit heutigem Hauptfirmensitz in Düren-Merken. Jetzt hat der Unternehmer sich entschlossen, alle Firmenanteile der gesamten CWS-Gruppe an KANSAI HELIOS, die europäische Tochter des weltweit agierenden japanischen Unternehmens KANSAI PAINT, zu verkaufen.

CWS wird japanisch. Am Montag wurden hochoffiziell die Verträge bei einem Kölner Notar unterzeichnet. Am Dienstag hat Schmidt die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung informiert.

Die CWS Gruppe wird noch widerstandsfähiger und zukunftssicherer

Sich von dem Familienunternehmen zu trennen, fällt Schmidt alles andere als leicht. Das merkt man deutlich. Gleichwohl, und das sagt er ausdrücklich, mache ihn die Tatsache, dass KANSAI HELIOS neuer Eigentümer werde, „sehr glücklich“. Die Beweggründe für Schmidts Entscheidung sind vielschichtig, verfolgen aber alle nur das eine Ziel: Die CWS-Gruppe soll noch widerstandsfähiger und zukunftssicherer werden. Der Standort Merken soll gestärkt und ausgebaut werden. Zu den Arbeitsplätzen äußerte sich Schmidt wie folgt: „Ich verspreche Ihnen, die Arbeit wird hier in Düren und auch in Hamburg nicht weniger, im Gegenteil: wir werden mehr Arbeit bekommen - das verspreche ich und auch KANSAI Ihnen. Und das betrifft alle Bereiche des Unternehmens."

Ausufernde Regulatorik in Brüssel lähmt Mittelstand

„Diese Entscheidung ist wohlüberlegt“, sagt Hans-Helmuth Schmidt. Unsere Branche hat sich stark verändert, so dass ich reagieren musste.“ CWS und ATCOAT sind ausgewiesene Experten für Pulverlacke und umweltfreundliche Harze. Die beiden Unternehmen haben eine hohe Expertise, sind aber auf dem Weltmarkt mit einem Marktanteil von 0,06 Prozent nur ein kleiner Player. „Unsere Branche“, erklärt Schmidt, „befindet sich in einer Phase der globalen Konsolidierung. Hinzu kommt, dass große Unternehmen auf dem Weltmarkt deutlich günstiger einkaufen. Dies führt zu immer stärkeren Wettbewerbsvorteilen der internationalen Großkonzerne.

Ein weiterer Nachteil, der besonders die mittelständische Chemieindustrie betrifft, ist die zunehmende und übergreifende Regulatorik aus Brüssel. Das lähmt Unternehmen unserer Größenordnung extrem. Große Konzerne können das natürlich erheblich leichter verkraften. Die Landschaft der Industrie- und Pulverlack-Hersteller hat sich in den vergangenen fünf Jahren diametral verändert. Viele private Mittelständler sind mittlerweile Teil großer internationaler Konzerne geworden.“

Ein Schritt, den jetzt auch CWS gehen muss. Aber warum KANSAI HELIOS? Zum einen, weil die Produkte und Unternehmensbereiche sich sehr synergetisch ergänzen. Zum anderen aber auch, weil zwischen den beiden Unternehmen „die Chemie stimmt“. Hans-Helmuth Schmidt: „Mir war es wichtig, einen Partner zu finden, der zur Kultur von CWS passt, der mit unseren Werten Tradition, von Vertrauen getragene Zusammenarbeit, Innovation und Präzision etwas anfangen kann. Und das ist bei KANSAI der Fall.“ Beide Unternehmen haben jeder eine mehr als 150jährige Geschichte und blicken beide auf eine stabile Tradition. „Die Verhandlungen waren von Beginn an geprägt von Sympathie und gegenseitigem Respekt. Das hat mich noch einmal bestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“

Hans-Helmuth Schmidt übergibt ein florierendes Unternehmen, eins, das in den vergangenen 25 Jahren stetig gewachsen ist, mit fünf Standorten, in denen zuletzt noch einmal mehr als 20 Millionen Euro investiert wurden. „Die Übergabe ist ein Schritt in eine noch bessere Zukunft“, ist Schmidt überzeugt.

Es eröffnet sich eine Vielzahl von neuen Chancen und Möglichkeiten

Eng einbezogen in seine Entscheidung hat Schmidt seine drei Geschäftsführer Achim Kenn (CWS Holding), Dr. Peter Frese (CWS Powder Coatings) und Dr. Monika Schneider (ATCOAT). Alle drei hatten sich bei ihrem Wechsel zur CWS-Gruppe vor vielen Jahren bewusst gegen einen Großkonzern und für den Mittelstand entschieden, alle tragen Schmidts Entscheidung trotzdem zu 100 Prozent mit, halten sie sogar für unabdingbar. „Es gibt große Unsicherheiten am Markt“, sagt Frese. „Der Konsolidierungsdruck ist enorm.“ KANSAI sei ein Konzern, der bereits große internationale Erfahrungen auf dem Gebiet der Farben & Lacke hat. „Das eröffnet uns eine ganze Menge Möglichkeiten.“ Frese ist sich sicher, dass CWS bei KANSAI weit mehr als nur eine Nummer sein wird. „KANSAI braucht im Bereich Pulverlacke einen starken Partner. Und das sind wir.“ Düren könne der zentrale Standort für den Bereich Pulverlacke in Europa werden. „Das, was CWS in diesem Bereich an Qualität, Produkttechnologie und Service zum Kunden mitbringt, wird zu einem echten Benchmark für die gesamte Unternehmensgruppe werden. Oder anders gesagt: KANSAI übernimmt mit uns sehr viel Kompetenz.“

CWS liefert ein enormes Know-how

Ganz ähnlich sieht das auch Dr. Monika Schneider - sie ist Chefin der beiden ATCOAT-Standorte Düren und Hamburg - „Es wird immer schwieriger für kleinere Unternehmen zu überleben. Die gesamte Landschaft der chemischen Industrie wird sich in Zukunft noch weiter und erheblich verändern.“ Auch Schneider befürchtet nicht, von dem Weltkonzern mit einem Umsatz von über 3 Mrd. EUR, der zu den zehn größten der Branche gehört, aufgefressen zu werden. „Das Gegenteil wird der Fall sein. Wir sind in Spezialitäten zu Hause und haben Zugang zu Kunden, die für KANSAI sicher interessant sind.“ Nicht zu vergessen sei auch das enorme Know-how ihrer Mitarbeiter. „Fachkräfte für diesen Bereich zu bekommen, ist sehr, sehr schwer. Wir haben sie.“

Und Hans-Helmuth Schmidt selbst? Er wird sich im kommenden Jahr – nach seinem 65. Geburtstag – aus dem operativen Geschäft verabschieden. „Ich bin aber nicht weg, sondern werde dem Unternehmen zunächst für fünf Jahre weiter in beratender Funktion zur Verfügung stehen – mit Rat, aber ohne Tat.“

Presseartikel AACHENER ZEITUNG